Wie sagt man noch gleich auf „Körpersprache“?
Warum wir dringend einen Sprachkurs für unser Unterbewusstsein brauchen könnten.
Wenn mir morgen eine Freundin erzählen würde, dass sie nach China ziehen will, wäre eine meiner ersten Fragen vermutlich: „Sprichst du denn Chinesisch?“
Klar. Wer in einem fremden Land leben möchte, sollte sich wenigstens einigermaßen verständigen können.
Umso erstaunlicher finde ich, dass wir ein ganzes Leben in unserem Körper verbringen, ohne jemals einen Sprachkurs angeboten zu bekommen, der uns hilft, seine Signale zu verstehen.
Dabei meldet er sich regelmäßig zu Wort.
Mit Herzklopfen, wenn wir Angst haben. Schmetterlingen im Bauch, wenn wir verliebt sind. Einem Kloß im Hals, wenn uns die Worte fehlen. Oder einem flauen Gefühl in der Magengegend, wenn uns irgendetwas gegen den Strich geht.
Und was machen wir mit diesen Botschaften?
Wir sind erstaunlich erfinderisch darin, sie möglichst schnell wieder loszuwerden.
Don’t kill the messenger!
Schon als Kinder bekommen wir beigebracht, wie wir mit unangenehmen Gefühlen umgehen sollen.
„Du brauchst doch keine Angst zu haben!“
„Sei nicht böse!“
„Jetzt stell dich nicht so an!“
Und wenn das alles nichts hilft, gibt’s ein Stück Schokolade. Danach ist die Welt hoffentlich wieder in Ordnung.
Nur: Wohin verschwindet eigentlich die Angst, wenn wir sie nicht haben sollen? Und was passiert mit der Wut, wenn sie gerade unerwünscht ist?
Wir lernen früh, welche Gefühle willkommen sind und welche lieber draußen bleiben sollten.
Später perfektionieren wir die Kunst der Ablenkung.
Nach einem frustrierenden Arbeitstag powern wir uns beim Sport aus. Nach einem anstrengenden Tag mit den Kindern gönnen wir uns ein Glas Wein. Gegen die innere Unruhe gibt’s ein Mittel zum Einschlafen und gegen den Kopfschmerz eine Tablette.
Versteh mich nicht falsch: Sport kann wunderbar helfen, Stress abzubauen. Und selbstverständlich ist es sinnvoll, Schmerzen zu behandeln und körperliche Beschwerden medizinisch abklären zu lassen.
Aber mich beschäftigt eine andere Frage:
Was, wenn wir vor lauter Bemühen, unangenehme Empfindungen loszuwerden, vergessen, uns dafür zu interessieren, weshalb sie überhaupt aufgetaucht sind?
Es ist ein bisschen so, als würden wir eine Flaschenpost aus dem Wasser fischen und sie ungeöffnet in den Müll werfen.
Hauptsache, die Flasche ist weg.
Die Nachricht? Wen interessiert’s!
Don’t kill the messenger!
Wer hat uns eigentlich diese Spielregeln beigebracht?
Nicht jede körperliche Beschwerde ist eine verschlüsselte Botschaft unseres Unterbewusstseins. Und längst nicht jedes Unwohlsein hat eine psychische Ursache.
Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzuschauen, wenn bestimmte Gefühle und Reaktionen immer wieder auftauchen.
Warum habe ich eigentlich ein schlechtes Gewissen, wenn ich einfach mal nichts tue?
Weshalb fällt es mir so schwer, Nein zu sagen, obwohl ich längst auf dem Zahnfleisch gehe?
Und wieso fühle ich mich persönlich verantwortlich, wenn jemand in meinem Umfeld schlechte Laune hat?
Vielleicht, weil ich irgendwann gelernt habe, dass eine gute Mutter ihre Bedürfnisse hintenanstellt.
Dass man sich Anerkennung verdienen muss.
Dass Nichtstun etwas für Faulpelze ist.
Oder dass wir nur dann liebenswert sind, wenn wir es allen recht machen.
„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
„Ohne Fleiß kein Preis.“
„Eigenlob stinkt.“
Na, klingelt’s?
Viele dieser Überzeugungen haben wir uns nicht bewusst ausgesucht. Sie wurden uns mit auf den Weg gegeben oder haben sich aus unseren Erfahrungen entwickelt.
Und manche waren zu einem bestimmten Zeitpunkt sogar ausgesprochen hilfreich.
Ein Kind, das gelernt hat, durch Anpassung Konflikte zu vermeiden, hat dafür vielleicht gute Gründe gehabt.
Nur blöd, wenn derselbe Mensch mit 45 noch immer versucht, es allen recht zu machen, und dabei regelmäßig die eigenen Bedürfnisse unter die Räder kommen.
Was uns früher geschützt hat, kann uns heute ganz schön im Weg stehen.
Wenn der Kopf längst verstanden hat, aber der Rest nicht mitspielt
In meinen über 13 Jahren als Coach habe ich unzählige dieser wunderbaren Aha-Momente erlebt, in denen Menschen plötzlich Zusammenhänge erkennen, die im eigenen Gedankenwald bisher verborgen lagen.
Endlich wird klar, warum wir in bestimmten Situationen immer wieder gleich reagieren.
Und trotzdem bedeutet diese Erkenntnis nicht zwangsläufig, dass sich auch unser Verhalten verändert.
Wir wissen, dass wir Grenzen setzen sollten. Und sagen beim nächsten Mal trotzdem Ja.
Wir wissen, dass wir gut genug sind. Und zweifeln bei der nächsten Herausforderung erneut an uns selbst.
Als würde irgendwo eine unsichtbare Handbremse angezogen.
Genau diese Diskrepanz zwischen dem, was wir bewusst wissen, und dem, was wir tatsächlich fühlen und tun, hat mich dazu gebracht, mich intensiver mit dem Unterbewusstsein auseinanderzusetzen.
Und schließlich auch mit PSYCH-K®.
PSYCH-K® ist eine Methode, bei der mit sogenannten Balancen an einschränkenden Überzeugungen und subjektiv empfundenem Stress gearbeitet wird. Innerhalb der Methode dient der Muskeltest als Feedbackinstrument.
Mich hat daran vor allem die Möglichkeit gereizt, mit Mustern zu arbeiten, bei denen Erkenntnis und gute Vorsätze allein bislang keine ausreichende Veränderung gebracht hatten.
Zwei Erfahrungen sind mir besonders in Erinnerung geblieben.
Die Angst fährt mit
Eine Kundin nahm über eine Stunde Fahrt auf sich, um für eine Session zu mir ins Studio zu kommen.
Sie hatte seit vielen Jahren Angst davor, auf der Autobahn zu fahren. Also vermied sie Autobahnen, wann immer es möglich war. Und verdoppelte daher nicht selten die Fahrtstrecke.
Während unserer Arbeit wurde ihr erstmals bewusst, dass sie diese Angst mit einem Beinahe-Unfall verband, der viele Jahre zurücklag.
Der Unfall hatte nie stattgefunden. Die Angst war geblieben.
Nach der PSYCH-K®-Balance erlebte sie ihre Angst vor dem Autobahnfahren verändert. Und trat die Heimreise über eben diese an.
Was mich an solchen Geschichten fasziniert, ist die Frage, wie viel von unserem heutigen Verhalten noch von längst vergangenen Erfahrungen beeinflusst wird.
Von Erlebnissen, die wir vielleicht schon lange nicht mehr bewusst mit unserem Verhalten in Verbindung bringen.
Und wie oft halten wir die daraus entstandenen Reaktionen irgendwann schlicht für einen Teil unserer Persönlichkeit?
„Ich bin eben ein ängstlicher Mensch.“
„Ich war schon immer so.“
Wirklich?
Oder haben wir irgendwann gelernt, auf bestimmte Situationen genau so zu reagieren?
Eine Erinnerung, die ihre Zange gelöst hat
Mein persönlich überwältigendstes Erlebnis mit PSYCH-K® betrifft eine Erinnerung, die mich über drei Jahrzehnte begleitet hat.
Vor über 30 Jahren starb mein Bruder bei einem Unfall. Ich war erst 15.
Den Moment, in dem meine Eltern mir die Nachricht überbrachten, werde ich niemals vergessen.
Jahrzehntelang reichte der bloße Gedanke an diese Situation, um mich emotional völlig aus der Bahn zu werfen.
Nicht nur die Erinnerung war lebendig. Auch der damit verbundene Schmerz fühlte sich jedes Mal wieder erschreckend gegenwärtig an.
Dann habe ich mit Duccio Locati, dem Direktor von PSYCH-K® eine TPS-Balance gemacht. TPS steht für Transformation of Perceived Stress, also die Veränderung von empfundenem Stress.
Was ich danach erlebt habe, hat mich tief beeindruckt.
Ich erinnere mich nach wie vor klar an diesen Moment. Ich weiß wie schmerzhaft er war und dass er meine bisherige heile Welt zerstört hat.
Aber die Erinnerung hält mich emotional nicht mehr mit der Zange gefangen.
Sie ist noch da. Sie gehört zu meiner Geschichte. Und der Verlust meines Bruders wird immer Teil meines Lebens bleiben.
Was sich verändert hat, ist das emotionale Erbe dieses Moments.
Der Verlust meines Bruders allein hätte als Trauma schon ausgereicht.
Doch als meine Eltern mich baten, meinen Schmerz nicht laut zu äußern, um die anderen Hotelgäste am Gardasee nicht zu stören, kam bei mir noch eine andere Botschaft an:
Selbst im größten Schmerz gingen die anderen vor. Ihre Bedürfnisse. Und was sie denken könnten.
Diese Überzeugung beeinflusste noch viele Jahre, wie ich mit Schmerz umging und ob ich mir erlaubte, mein Leid zu zeigen, bzw. wie es sich anfühlte, wenn andere mein Leid mitbekamen.
Und sie erklärt vielleicht auch, warum es mich später immens triggerte, wenn mein Mann oder unsere Söhne sich schon bei Kleinigkeiten das Recht herausnahmen, lauthals herumzubrüllen.
Sie erlaubten sich, was ich mir selbst nicht erlaubte: meinen Gefühlen ungehemmt Ausdruck zu verleihen.
Nach mehr als 30 Jahren.
Ich kann nicht behaupten, dass eine solche Erfahrung beliebig wiederholbar ist oder dass andere Menschen dasselbe erleben werden.
Aber für mich persönlich war sie überwältigend.
Und sie hat meine Neugier darauf, wie Erinnerungen, Überzeugungen und Emotionen miteinander zusammenhängen, noch einmal gewaltig angefacht.
Die Flaschenpost ist gelesen. Und jetzt?
Was ich bei aller Begeisterung über neue Erkenntnisse und veränderte Überzeugungen niemals vergessen möchte:
Auch die schönste Erkenntnis verändert noch kein Leben, wenn wir anschließend genauso weitermachen wie bisher.
Deshalb gehört für mich zu jeder PSYCH-K®-Balance ein konkreter Aktionsplan.
Eine möglichst zeitnahe Handlung, die das neu Erlernte in den Alltag überträgt.
Wer bisher überzeugt war, immer für andere da sein zu müssen, kann beim nächsten Hilferuf bewusst überprüfen, ob er tatsächlich helfen möchte. Und das Nein üben.
Wer seinen Selbstwert vor allem über Leistung definiert, könnte sich einen Nachmittag Nichtstun verordnen. Und es sich mit seinem schlechten Gewissen auf dem Sofa gemütlich machen. Vor allem, ohne heimlich doch noch die Wäsche zu machen.
Wer sich mit einer Angst auseinandergesetzt hat, kann in kleinen, sicheren Schritten neue Erfahrungen sammeln.
Denn auch unser bewusster Verstand darf erleben, dass wir nicht für immer nach denselben alten Spielregeln leben müssen.
Die Erkenntnis kann eine Tür öffnen. Durchgehen müssen wir selbst.
Und was sagt uns das alles?
Ich finde es faszinierend, wie viel wir über die Welt um uns herum lernen und wie wenig wir manchmal über die Mechanismen wissen, die unser eigenes Erleben beeinflussen.
Wir lernen Fremdsprachen, eignen uns Fachwissen an und optimieren unsere Lebensläufe.
Aber wenn Angst, Wut, Schuldgefühle oder ein ungutes Bauchgefühl auftauchen, fehlt uns oft ausgerechnet das Vokabular, um genauer hinzuhören.
Dabei muss nicht jedes Gefühl sofort analysiert werden. Nicht hinter jeder Reaktion steckt ein verborgenes Kindheitserlebnis. Und auch nicht jeder Glaubenssatz gehört auf den Prüfstand.
Aber vielleicht könnten wir aufhören, unsere unangenehmen Gefühle grundsätzlich wie unerwünschte Gäste zu behandeln.
Vielleicht lohnt es sich, gelegentlich neugierig zu werden, statt sofort nach einer Möglichkeit zu suchen, sie wieder loszuwerden.
Und vielleicht verbirgt sich hinter unserem allzu vertrauten „So bin ich eben!“ manchmal einfach nur eine Überzeugung, die wir irgendwann einmal übernommen haben.
Ich glaube, wir hätten alle etwas davon, uns öfter mal auf einen Plausch mit unserem Unterbewusstsein einzulassen.
Es gibt schließlich kaum jemanden, mit dem wir mehr Lebenszeit verbringen.
Hinweis: PSYCH-K® dient der persönlichen Entwicklung und Selbstreflexion. Die beschriebenen Erfahrungen sind individuell und kein wissenschaftlicher Nachweis für die Wirksamkeit der Methode. PSYCH-K® ersetzt weder medizinische Diagnostik und Behandlung noch Psychotherapie.
